Effizienz

Coworking schafft kreative Mit-Arbeitende

Engstirnige Ansichtsweisen sind veraltet - Das Digitale verlangt nach Flexibilisierung, modernen Arbeitskulturen und vor allem Nutzung von Synergien.


Arbeitsmodell Coworking

Flexibel, modern und unkonventionell – solche Anforderungen werden in der heutigen Zeit vom Arbeitnehmer an die Arbeitsplätze gestellt. Vorbei sind die Zeiten der sogenannten «Nine-to-Five-Jobs». Traditionelle Modelle, wie herkömmliche Bürokomplexe, in welchen Mitarbeitende zu fixen Zeiten arbeiten, treten nach und nach in den Hintergrund. Aber warum ist das so? Und die wohl wichtigste Frage stellt sich gleich im Anschluss: Ist Coworking das Richtige für Ihre Mitarbeitende?

In der heutigen Zeit bedeutet Offenheit und der «Blick über den Tellerrand hinaus» mehr denn je. Genau hier setzt Coworking an. Startup-Unternehmen, Selbstständige oder Freiberufler arbeiten in offenen Gemeinschaftsbüros und profitieren voneinander. So kann ein Webentwickler Tipps für eine eigene Website geben, und der Social Media-Experte wiederum gibt sein Wissen ebenfalls weiter. Aber auch Unternehmungen, welche kurzfristig mehr Platz benötigen, sind mit Coworking Spaces gut bedient. Solch unkonventionelle Arbeitsformen halten auch in der Schweiz Einzug und haben sich weltweit etabliert. Laut einer Studie von Immodea arbeiten derzeit rund 3'000 Menschen in der Schweiz regelmässig in einem Coworking-Space. Die Tendenz dürfte in den nächsten Jahren weiter steigen. 


Der «Spillover»-Effekt von Coworking

Die Berufssparten, welche Coworking nutzten, sind äusserst breit gefächert. Vom Ingenieur, welcher nicht tagtäglich zwei Stunden zu seinem regulären Arbeitsplatz pendeln will, über den Versicherungsmakler, welcher auf der Suche nach neuen Kontakten ist, bis hin zum Freelancer, der sich bei anderen Gleichgesinnten Inspiration holen will, sind viele Berufsgattungen vertreten. Und dies macht durchaus Sinn, denn: Neue Kontakte können so auch branchenübergreifend geknüpft werden. Oder man sieht bei der gleichen Sparte, wie es in anderen Unternehmungen abläuft, profitiert von den Erfahrungen und holt sich so neue Ideen und Anregungen. Da sich jegliche Arten von Berufsgattungen und Menschen unter einem Dach befinden, kann die Effizienz und Inspiration gesteigert werden. Der Netzwerker kann so beispielsweise seine Effizienz steigern, der Denker seine Inspiration weitergeben. Ein weiterer Nebeneffekt: Neue Kunden oder Zulieferer können dadurch gewonnen werden. 

Alternative zu Home Office?

Daneben ermöglicht die neue Arbeitskultur einen Austausch unter den Coworkern. So wird eine echte Alternative zum Homeoffice geschaffen. Mittlerweile werden Coworking Spaces als eine Art «Dritter Ort» angesehen – kein Zuhause und kein regulärer Arbeitsplatz. Vielmehr wird hier zusammengefunden, stundenlang verweilt und vor allem kommuniziert. Reale Personen ermöglichen einen guten Nährboden für neue Ideen oder gar die Findung von neuen Ressourcen. Ein gut funktionierendes Netzwerk ist unabdingbar, neue Kontakte wichtig. Zudem können sie sich als Motivationshilfe erweisen – schliesslich haben viele, welche Homeoffice nutzen, damit zu kämpfen. Ausserdem findet beim Coworking eine für viele wichtige Abgrenzung zwischen Privatleben und Arbeitsplatz statt. 

Austausch unter Coworkern


Lage und Verkehrsanbindung ist entscheidend

Einige Pilotteilnehmer, welche von der HSG zum Thema Coworking befragt wurden, wiesen explizit darauf hin, dass sie Coworking Spaces fast ausschliesslich für die Durchführung von virtuellen Meetings und Telefongesprächen wählten und dafür oft auch eine Zugfahrt unterbrachen. Die Geräuschkulissen, welche in Zügen und Cafés herrschen, lassen sich oftmals nicht mit dem mobilen Arbeiten verbinden. Ausserdem wurde auch die Netzqualität bemängelt. Wie der Studie von Barbara Josef und Andrea Back weiter zu entnehmen ist, gingen viele gezielt in ein Coworking Space, um auch unterwegs virtuelle Meetings in guter Qualität durchführen zu können. Umso wichtiger ist es also, dass die geographische Lage und auch die Flexibilität überein stimmt. 

Spannend sind auch die Unterschiede, wie die einzelnen Spaces ausgestattet sind. Die Teilnehmenden wurden weiter gefragt, in welchem Ambiente sie sich am wohlsten fühlen: In den kreativen Spaces, die primär von Startups und Freelancern genutzt werden, oder in den eher nüchternen Business Centern. Damit wollte die Studie aufzeigen, ob die Pilotteilnehmer eher einen Kontrast zum Corporate Office oder eher eine ihnen vertraute Umgebung suchen. Eine kleine Mehrheit von 15 Personen bevorzugt Coworking Spaces, in denen eine Startup-Atmosphäre herrscht; zehn sprachen sich für ein Business Umfeld aus. Für die Mehrheit der Befragten (19 Nennungen) sind die geographische Lage und die Verkehrsanbindung das wichtigste Auswahlkriterium, gefolgt von der Infrastruktur (18 Nennungen: WLAN, Möglichkeiten für Rückzug, verschiedene Zonen etc.), einer ansprechenden Atmosphäre (15 Nennungen) sowie der Möglichkeit, auf einfache Weise mit anderen zu interagieren und sich auszutauschen (9 Nennungen).


Wie spare ich durch Coworking Kosten ein?

Die Nutzung der Coworking Spaces ist unverbindlich – und vor allem zeitlich flexibel. Ganz nach dem Motto: «Alles kann, nichts muss.» Garry Gürtler, Geschäftsführer von Regus und Spaces Schweiz, erklärte in einem NZZ-Interview, dass kleinere und mittlere Unternehmen ihre Bürokosten um 30 bis 40 Prozente senken, wenn sie sich bei einem Shared-Office-Anbieter einmieten. Grosse Fixkosten, wie beispielsweise hohe Mieten für eigene Büroräume oder lange Pendlerzeiten, entfallen. Zudem muss sich das Unternehmen nicht mehr selber um Telefonverträge, Internetverbindungen oder Drucker kümmern. In vielen Coworking Spaces sind zudem kleine Annehmlichkeiten, wie beispielsweise die Nutzung der Kaffeemaschine, im Mietpreis inbegriffen. Auch Mitarbeiter, welche oft auf Kundenbesuchen sind, haben durch den Coworking Space entscheidende Vorteile: Die Zeit zwischen den einzelnen Terminen kann an den zentral gelegenen Örtlichkeiten optimal genutzt werden. Viele Firmen in der Schweiz beteiligen sich mittlerweile an den Kosten für den Arbeitsplatz auf Zeit. 

Lohnt sich Coworking für mein Unternehmen?

Ein Mikrounternehmen plant ein Meeting, verfügt jedoch nicht über die nötigen Platzverhältnisse. Eine Firma möchte seinen Mitarbeitenden einen fortschrittlichen Arbeitsplatz ermöglichen. Oder ein Selbstständiger sucht nach neuen Ideen, Leuten und entsprechender Inspiration. Für all diejenigen ist ein Coworking-Umfeld ideal. Unternehmer und Entscheider können hier Kunden und Lieferanten treffen und Firmenanlässe durchführen. Wer sich hingegen von anderen Mitarbeitenden und einer offenen Atmosphäre gestört fühlt, für den ist Coworking wohl eher keine passende Lösung. 

Vorteile und Nachteile im Überblick

Coworking-NutzerVorteileNachteile
Mitarbeiter Neue Kontakte knüpfen
Eine echte Alternative zum Home office
· Wissen Teilen
· Motiviertes Arbeiten
· Klare Abtrennung zwischen Privat- und Berufsleben
· Weniger Ablenkung als Zuhause
· Pause zwischen Terminen effizienter nutzen
Durch die Kreativität steigt entsprechend auch die Geräuschkulisse – wer sich schnell gestört fühlt, für den ist Coworking eher weniger geeignet. Eine Option ist es dann, beispielsweise lediglich stundenweise auf Coworking zurückzugreifen. Viele Einrichtungen verfügen mittlerweile jedoch über so genannte «Quiet zones», in welchen in Ruhe gearbeitet werden kann.
Unternehmung· Motivierte Mit-Arbeiter
· Flexibilisierung der Arbeit
· Moderne Arbeitskultur
· Kostenreduzierung
· Anpassung der Platzgrösse bei gewünschtem Bedarf
· Netzwerk vergrössern und vertiefen
Weniger Kontrolle über seine Mitarbeiter. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass Vertrauen in seine Mitarbeiter ausgezahlt wird. Sie haben eine höhere Verbundenheit mit ihrem Arbeitgeber und sind leistungsfähiger. Firmen, welche ihren Mitarbeitern Coworking ermöglichen, strahlen starke Signale aus, dass die Arbeits- und Führungskultur im Umbruch sind.

Entsprechende Ergebnisse einer weltweiten Studie unterstreichen die oben genannten Vorteile. Rund 40 Prozent der Befragten erzielten durch das Coworking ein höheres Einkommen, fühlten sich produktiver und motivierter. Auch nahmen sie eine verbesserte Interaktion mit Personen wahr. Daneben sprechen für einen fortschrittlichen Workplace noch weitere Punkte, wie beispielsweise eine flexible Nutzung oder geringere Kosten. Denn: Der Nutzer zahlt eben nur dann, wenn er den Arbeitsplatz auch wirklich braucht. Ausserdem entstehen durch neue Kontaktein Coworking Spaces durch die Offenheit kreative Lösungen und Produkte. 


Quellen

So geht Coworking in Zürich

Im Raum Zürich profitieren viele Coworking Spaces von der guten Erreichbarkeit. Mit Raum11 wurde deshalb ein Angebot geschaffen, welches vor allem durch die Flexibilität der Grösse und Umsetzung überzeugt. Raum11 bietet Unternehmen folgende Möglichkeiten:

Die Arbeitsplätze können stunden- und tageweise gemietet werden. Das urbane Arbeiten steht dabei im Zentrum. Nebst Sitzungszimmern (bis acht oder zwölf Personen) können auch Veranstaltungsräume (bis 50 Personen) und Arbeitsplätze gemietet werden. Den Coworkern steht dabei ein umfangreiches Angebot offen: Speed WLAN für die Rassigen, Gemeinschaftsdrucker, Phone Booths für ungestörte Telefonate, Getränke, Adapter sowie eine Snackbar. Die Räume sind zudem mit White Boards und Beamer ausgestattet. 

Andrea Steinmann Mascaro