Büroalltag

Der Arbeitsplatz der Zukunft: Wie wir Morgen arbeiten

Einmal mehr befindet sich die Arbeitswelt im Umbruch. Im Trend liegen Coworking Spaces, moderne Grossraumbüros für das gemeinsame Arbeiten.

Einmal mehr befindet sich die Arbeitswelt im Umbruch. Im Trend liegen Coworking Spaces, moderne Grossraumbüros für das gemeinsame Arbeiten. Können solche Arbeitsmodelle dem wachsenden Bedarf nach Vernetzung und Austausch unter Unternehmern gerecht werden?


Wie hat sich die Arbeitswelt gewandelt?

Seit über 200 Jahren spricht die Arbeitswelt von den industriellen Revolutionen. Die erste industrielle Revolution wurde Ende des 18. Jahrhunderts mit der Erfindung der Dampfmaschine eingeläutet. Sie legte den Grundstein dafür, Handarbeit mit mechanischen Produktionsanlagen zu vereinfachen. Über 100 Jahre später dann die zweite industrielle Revolution: Anfang des 20. Jahrhunderts führten die Automobilhersteller die Fliessband-Produktion ein. Als dritte Stufe gilt die Rationalisierung und Automatisierung anfangs der 1970er-Jahre durch Elektronik und Informationstechnologien. Erste EDV-gesteuerte Maschinen und Industrieroboter übernahmen Arbeitsschritte, für die zuvor Handarbeit erforderlich war. Heute stehen wir nun am Beginn der Industrie 4.0. Unsere Arbeit wird dezentral und dynamisch gesteuert, vernetzt über das Internet, mobile Computing oder Clouds. Firmen, Kunden, Fabriken, Maschinen und Produkte stehen in direktem Kontakt miteinander und können Informationen austauschen. Die neue Ära schafft interessante Möglichkeiten, auch in der Art wie wir zusammenarbeiten. 

Was ist Arbeit 4.0?

Der Wandel der Wirtschaft durch die industriellen und technologischen Fortschritte der letzten 200 Jahre hat unsere Arbeitsstruktur verändert. Disruptive Technologien unterbrechen Erfolgsserien bereits bestehender Technologien und verdrängen oder ersetzen diese innert kürzester Zeit. Die DVD beispielsweise verdrängte in den 2000er Jahren die VHS-Videobänder. Heute sind DVDs nahezu tot –zunehmend werden sie durch Streaming-Dienste wie Apple oder Netflix ersetzt. 

Die steigende Automation wird in den kommenden Jahren einen Rückgang von handwerklichen aber auch administrativen Tätigkeiten mit sich bringen. Einmal mehr befindet sich die Arbeitswelt im Umbruch. Der Wandel betrifft aber nicht nur das, was wir tun, sondern auch wie wir es tun. Bereits heute arbeiten über 75 Prozent der Schweizer Beschäftigten im Dienstleistungssektor. Die vorwiegend aus Wissens- und Kopfarbeit bestehenden Tätigkeiten sind nicht mehr an einen fixen Ort oder eine Routine gebunden. Digitalisierung und mobile Internetnutzung werden immer mehr zum Standard und ermöglichen orts- und zeitunabhängiges Arbeiten. Bereits heute arbeitet fast ein Drittel der Schweizer Beschäftigten mindestens einen halben Tag pro Woche von zu Hause aus. Diese Zahl dürfte weiter steigen. Das Beratungsunternehmen Deloitte schätzt in seiner Studie «Der Arbeitsplatz der Zukunft», dass die Hälfte der Schweizer Bevölkerung das Potenzial hätte, ihre Arbeit mobil zu verrichten. 

die Arbeitskräfte der zkunft sind selbständig


Wie sieht das Büro der Zukunft aus?

Infolge der zunehmenden Bedeutung des Dienstleistungssektors, der wissensintensiven Berufe und der digitalen Transformation können immer mehr Menschen mobil und ortsungebunden arbeiten. Die berufliche Selbstständigkeit nimmt zu und es entstehen neue Mikrounternehmen. Der Wunsch nach eigener beruflicher Verwirklichung gewinnt stark an Bedeutung. Um dem wachsenden Bedürfnis nach Vernetzung und Austausch unter Unternehmern gerecht zu werden, entstehen neue, flexible Arbeitsplatzmodelle. Im Trend liegen Coworking Spaces, moderne Grossraumbüros für das gemeinsame Arbeiten. Dieses Konzept steht als Synonym für kreativen Austausch, Out-of-the-Box-Denken und Ideenschmiede. Längst mieten sich nicht mehr nur Selbstständige und Start-ups, sondern auch etablierte Unternehmen in den angesagten Bürogemeinschaften ein – damit ihre Mitarbeiter sich von dem Innovationsgeist anstecken lassen. Was das Büro der Zukunft besonders macht, ist der Raum und das Netzwerk. Das moderne Arbeiten in offenen Flächen spornt die Kommunikation zwischen Coworkern an, ein Austausch findet statt. Im Unterschied zum Grossraumbüro, mischen sich beim Coworking Freelancer und Angestellte, Künstler und Entwickler, Autodidakten und Akademiker. Das Netzwerk kann beliebig vergrössert werden, Vernetzen ist erwünscht.

Die Sharing Economy, also das Teilen von Ressourcen, hat längst das moderne Büro erreicht. Das Internet hat die Verfügbarkeit von Gütern und Dienstleistungen rund um den Erdball verändert. Wir müssen nicht mehr alles selber herstellen, kaufen oder, wie im Fall vom Arbeitsplatz, alleine mieten. Airbnb, Uber oder Streaming-Dienste wie Netflix erobern den Markt und beflügeln die Sharing Economy. Es ist nicht mehr zwingend ein eigenes Büro zu besitzen. Coworking-Modelle sind für selbstständig Erwerbende wie auch zunehmend für Unternehmen das Büro der Zukunft. 

Coworking als zukunftsträchtige Ergänzung zum Home-Office


Was leisten neue Bürokonzepte wie Coworking?

Die Wirtschaftskrise von 2008, die Mobile- und Cloud-Technologie sowie der Einfluss sozialer Netzwerke haben ein neues Zeitalter der Selbstständigkeit und Start-ups geschaffen. Diese Entwicklung, verbunden mit dem Wachstum der Sharing Economy, führt dazu, dass die Anzahl der Menschen steigt, die unabhängig arbeiten können. Die Nachfrage nach einem eigenen Büro hat an Bedeutung verloren. Die hohen Kosten für einen eigenen Arbeitsplatz sind vielfach ein guter Grund dafür, nach Alternativen Ausschau zu halten, jedoch längst nicht mehr entscheidend. Matchentscheidend für das Büro der Zukunft sind vielmehr folgende Kriterien:

  • Der Austausch mit Menschen aus verschiedenen Berufsbildern.
  • Die Möglichkeit Ideen zu teilen.
  • Der direkte Zugang zu Wissen.
  • Die moderne, dynamische und häufig exklusive Arbeitsumgebung.
  • Der oftmals angebotene Fullservice von Coworking-Anbietern.

Was leistet also ein zukunftsorientiertes Bürokonzept? Die Modelle unterscheiden sich in vielen Punkten, beispielsweise in Bezug auf die Mietoptionen. Je nach Bedarf kann ein eigenes Büro gemietet werden, der Fokus liegt jedoch meistens darauf, einen einzelnen Schreibtisch zu mieten. So werden das Zusammenarbeiten und das Teilen von Wissen und dem Netzwerk gefördert. Um die Gemeinschaft und das Wohlbefinden zu fördern, sind die Arbeitsplätze mit guter Infrastruktur wie zum Beispiel Netzwerk, Drucker, Verpflegungsangebot, Empfang und Besprechungsräumen ausgerüstet.

In der Schweiz ist die Geschichte des Coworking noch jung. Vor etwas mehr als zehn Jahren legten hierzulande die ersten Gemeinschaftsbüros in Zürich und Lausanne los. Heute hat sich das Coworking zu einem festen Bestandteil der neuen Arbeitswelt entwickelt. Attraktive «Büros der Zukunft» bieten den Schweizer Coworkern exklusiven Raum. Neu entsteht zum Beispiel in Oerlikon das Angebot Raum11 der Raiffeisen Bank Zürich. Angeschlossen an das Raiffeisen Unternehmerzentrum RUZ bietet die Bank Unternehmern und KMU-Entscheidungsträgern moderne Tagesarbeitsplätze, Konferenzräume und eine Plattform für den Austausch unter Gleichgesinnten. Verknüpft wird das Angebot mit der Expertise der Bank: So können die Coworker massgeschneiderte Bankberatungen vor Ort beziehen. Zusätzlich bietet die Bank eine exklusive Veranstaltungsreihe für den Wissenstransfer und zur Vernetzung mit Entscheidungsträgern. 

Tipp: Abonnieren Sie den Newsletter, um über aktuelle Themen und Angebote vom Raiffeisen Unternehmerzentrum RUZ und Raum11 informiert zu bleiben!

Das Büro der Zukunft vereint Wissen und Infrastruktur für eine erfolgreiche Geschäftsführung. Coworking ist nicht nur eine Inspirations-Tankstelle, es ist ein zukunftsorientiertes Arbeitsmodell um sich erfolgreich mit der Welt zu vernetzen.

Sprechen Sie Cowork? 

Barn-Raising: Ein Begriff der Amish-People, der bedeutet, dass man sich in der Community gegenseitig hilft, etwa beim Aufbau einer Scheune («barn»). Er wird vor allem verwendet, wenn eine Community gleich mehrere Coworking-Spaces aufbaut oder betreut.

Coworkation: Ein Kofferwort aus «work» und «vacation» (Ferien). Gedacht für Leute, die im Coworking Space nicht nur arbeiten, sondern gleich übernachten wollen. Das New Yorker Unternehmen Roam ist spezialisiert auf diese Lifestyle-Kombination, ebenso die mittelamerikanische Hotelgruppe Selina.

Coworking-Etikette: Die Basisregeln im Gemeinschaftsraum. Nicht laut telefonieren. Keine Essensreste produzieren oder liegenlassen. Diskretion bewahren, falls einem Interna zu Ohren kommen. Gemeinschaftsflächen sauber halten. Gebuchte Termine einhalten.

Dedicated Desk: Fixer, eigener Schreibtisch im Coworking-Space, gegen Aufpreis buchbar.

Host: Das ist der Betreiber des Coworking-Space und Gastgeber für die Coworker. 

Hubonauten: Das sind – mindestens in der Sprache der Organisation Impact Hub – sozialkompetente Geister, die im Workspace als Host amten und dabei die Mitglieder bei Laune halten, für stetigen Kaffeestrom sorgen und auch mal Führungen anbieten.

Serendipity: Zufällige Beobachtung von etwas nicht Gesuchtem. Beschreibt, was Coworking eigentlich bezweckt: Eine Inspirations-Tankstelle. Die Vernetzung mit Menschen, die man im konventionellen Arbeitszwinger nie getroffen hätte.

Soziokratie: Idealistische Sichtweise eines Coworking Space und seiner Mitglieder. Eine Organisationsform, die Mitverantwortung für das grosse Ganze wie auch für das einzelne Mitglied einer Community propagiert.

(Quelle: www.handelszeitung.ch)